agb

 

 

didier banner

Man schrieb das Jahr 1942, es war August. Der Name des Schiffes war St. Didier. In Nordafrika lieferten sich die Deutschen und Alliierten eine erbitterte Schlacht. Die Deutsche Armee in Nordafrika unter General Rommel litt unter fehlendem Nachschub. Aber der britische Kommandant Montgomery hatte schon längst erkannt, dass nur ein Abschneiden der deutschen Versorgungslinien seine Armee zum Erfolg führen würde. Deshalb gab es einen erbitterten Kampf um das Durchbringen des Nachschubs im Mittelmeer.

Während die Deutschen Frankreich besetzt hatten, wurde der französische Frachter namens “St. Didier” gezwungen, der deutschen Armee zu helfen und unter der Tarnung eines Krankenhaus-Schiffes zu fahren. (ein gewöhlicher Kriegstrick, mit dem aber der Untergang von vielen “wirklichen” Krankenhaus-Schiffen verbunden war) Aber, die St. Didier hatte Jeeps, Munition, Magnesium-Zünder, Pistolen und anderes Kriegsgerät als Nachschub für das deutsche Afrikaheer in ihren Ladebuchten.

Die St. Didier, mit einem Zerstörer als Geleitschutz, versuchte durch das Mittelmeer Afrika zu erreichen, unterlag dabei aber ständigen, schweren Luftangriffen britischer Flugzeuge, die von Zypern aus starteten. Unfähig weiter zu fahren, näherten sich die St. Didier und ihr Geleitschutzschiff der türkischen Küste, um den Angriffen auszuweichen. Aber unter den ständigen Angriffen schafften es beide Schiffe dann nur bis Adrasan, etwa 40 Meilen südwestlich von Antalya. Die St. Didier war inzwischen unfähig ihre Reise ohne weiteren Schaden fortzusetzen, sie war nahezu unbeweglich und konnte nur langsame Manöver ausführen. Der begleitende Zerstörer musste die St. Didier verlassen und sich selbst in Sicherheit bringen. Die einzige Möglichkeit des Überlebens für die St. Didier bestand darin, in Antalya Asyl zu suchen. Während des Annäherns an den alten Hafen von Antalya wurde der St. Didier bereits die Erlaubnis erteilt, vor dem Hafen auf die Genehmigung des Asyls zu warten. Die an Bord befindlichen französischen Offiziere und Schiffsleute jedoch, warfen Ihre Uniformen über Bord und änderten den Schiffsnamen um in “Societe”, um die Angriffe zu überleben. Das jedoch kümmerte die Mustang-Jagdflugzeuge der Verbündeten sehr wenig. Und obwohl das Schiff nur einige hundert Meter vor der Hafeneinfahrt lag und trotz des Geschützfeuers der St. Didier zur Flugabwehr, sezten die Mustangs ihre Angriffe fort und warfen Bomben ab.

Viele Einwohner von Antalya hatten sich schon am Hafen neugierig eingefunden, um den verzweifelten Kampf der St. Didier um das Überleben zu verfolgen. Dabei warfen die Kampfflugzeuge mehrere Torpedos ab, die aber alle ihr vorgesehenes Ziel verfehlten und im Hafen explodierten. Ein Torpedo schoss geradeaus in den Hafen, explodierte dort und tötete einen türkischen Bürger. Schließlich warf ein niedrig fliegender Mustang einen Torpedo ab, der den gewollten Kurs erreichte und einen Treffer auf der St. Didier erzielte. Der Torpedo traf das Schiff an einer Stelle, hinter der sich eine Ladeluke voll mit Sprengstoff befand. Das verursachte eine gewaltige Explosion auf dem Schiff, wodurch ein riesiges Loch im Rumpf des Schiffes entstand. Der daraus resultierende sehr schnelle Untergang des Schiffes kostete vielen Seeleuten das Leben. Viele Verletzte und andere Überlebende retteten sich duch Schwimmen oder wurden von herbeieilenden Fischerbooten an Land gebracht. Um internationalen Abkommen zu entsprechen, wurden die Überlebenden in ein Lager bei Isparta gebracht, ohne jedoch den Status von Gefangenen zu haben. Die türkische Verwaltung jedoch war nicht in der Lage ihren Protest auszudrücken, vor Angst und Bedenken in den Krieg hinein gezogen zu werde.

Heute ruht die St. Didier ca. 30 Meter unter dem Meeresspiegel aus. Sie hat eine Länge von 70 und eine Breite von 12 Metern. Sie ist in Teilen von Angelleinen und Netzen sowie von Schwämmen und Meeresalgen bedeckt. In ihr und um sie herum gibt es eine Fülle von Leben. Barsche vieler Arten, Drachenköpfe, Skorpionsfische und Nacktschnecken sind u.a. zu sehen.

Man sagt, dass es ihre Ladung war, die sie zu Kriegszeiten nicht friedlich auf den Meeren fahren und in Friedenszeiten nicht auf dem Grund zur Ruhe kommen ließ. Im Jahre 1946, also nach Kriegsende, wurde ein Bergungsboot mit dem Namen “Tacettin” über dem Wrack der St. Didier vertäut. Für ein paar Monate fanden intensive Bergungsmanöver statt, in deren Verlauf auch Sprengstoff benutzt wurde um an die Ladung des Wracks heran zu kommen. Berichten zufolge wurden dadurch dem Rumpf weitere Schäden zugefügt und zusätzlich kosteten die Unterwassersprengungen während der Bergungsarbeiten auch einigen Menschen dabei das Leben. Weitere kleine Bergungsversuche haben danach mehrmals, oft jedoch erfolglos, stattgefunden.

Heute ist auch dieses Wrack nahezu geplündert. Einige Granaten, Handgranaten, Munition, versteinerte Gewehre, viele Magnesiumzünder und der Rest eines Wüstenjeeps zeugen aber noch von der ehemaligen Ladung. Der Meeresboden unter dem Wrack in ca. 30 m Tiefe ist übersät von Schlick. Teilweise ist das Wrack selbst bewachsen, aber auch mit Schlick bedeckt. Es wird also empfohlen vorsichtig zu tauchen und besonders gut austariert zu sein, um mit den Flossen keinen Schlick aufzuwirbeln. Vorsicht ist aber auch vor scharfkantigem Stahl und dem Rost des Metallrumpfes und seinen Aufbauten geboten. Die Sicht ist von Tag zu Tag unterschiedlich, die Gründe dafür liegen entweder in der ständig wechselnden Strömung oder den eingeleiteten Abwässern der Millionenstadt Antalya. Nur einmal in den letzten 3 Jahren konnte ich die Umrisse des Wracks von der Oberfläche des Wassers aus erkennen. Ansonsten schwankt die Sicht von schlecht (1 m) über mäßig (3-5 m) bis besser (6-10 m).

Vielen Dank....... besonders an meinen jungen Freund ISA, der mir das gesamte Wrack zeigte und oftmals mein Begleiter war.

 

 

St. Didier1
wrack
St. Didier als Wrack
St. Didier8
wrack3
St. Didier6
wrack4
St. Didier2
St. Didier3
St. Didier4
St. Didier5
St. Didier7
St. Didier, Mast